2 Montevideo, Punta del Este, Coronilla, Treinta y Tres, Tacuarembo, Salto, Paysandu, Gregorio de Polanco, Durazno, Montevideo, Nueva Helvecia

3. November - 22. November 2017, KM 2'308

In Montevideo füllen wir als erstes unsere Gasflaschen auf, mit passendem Adapter kein Problem. Danach kaufen wir mal das Wichtigste ein und fahren dann, wie die Meisten, auf den Camping Paraiso Suiza, zu Silvia und Heinz, echte Schweizer. Wir werden herzlich aufgenommen. Es geht recht familiär zu und wir fühlen uns wohl. Es ist jetzt Zeit unser Bischu wieder richtig einzuräumen und Wäsche zu waschen. Am endlos langen Strand spazieren wir barfuss rauf und runter, einfach herrlich. Gute Verpflegung kriegen wir auf dem Platz, die Beiden sind ausgezeichnete Köche. Herzlichen Dank nochmal. Doch nach vier Tagen wird es Zeit, endgültig aufzubrechen, schliesslich wollen wir ja etwas sehen und erleben.

Nahe der Brasilianischen Grenze, in Coronilla, gibt es eine Auffangstation für kranke Meeresschildkröten. Dort wollen wir hin, alles der Küste nach. In Punta del Este besuchen wir "La Mano" oder "Los dedos", die Hand oder die Finger. Leider regnets. In la Paloma übernachten wir beim Leuchtturm. Weiter fahren wir immer schön der Küste nach Richtung Coronilla. Nur finden wir dieses Zentrum Karumbé nicht. Mit dem bisschen Spanisch das wir können, fragen wir uns durch und werden fündig. Doch für Schweizerdenken ist ein Zentrum, ein Zentrum das man sofort sieht. Wie müssen lernen umzudenken. Hier ist das Zentrum für Meeresschildkröten eine kleine unscheinbare Holzbaracke. Und Schildkröten gibt es auch keine, die kommen nämlich erst im Dezember. 
Nun gut. 


Wir fahren ins Landesinnere, besser wir holpern über Schotterpisten. Ob da wohl noch was ganz bleibt? Über Treinta y Tres gelangen wir zum Parque Quebrada de los Cuervos. Da soll es eine schöne Wanderung geben. Super denken wir. Der Parkranger erklärt uns: Es ist eine Rundwanderung von 3 Kilometern und man benötigt ca. 3 Stunden, und bitte nicht in Flip Flops! Okay, denken wir und schmunzeln😉. Wir schnüren unsere Allterrain-Schuhe und packen den Rucksack. Los get’s. Wir schaffen den Rundgang in 2 Stunden, mit Pausen. Am Bach müssen wir doch noch Steimänndli bauen. Doch insgesamt ist es strenger als wir denken, wir schwitzen und keuchen, na ja es ist ja auch heiss, ca. 30 Grad.
 
Es ist gerade mal Mittag, darum fahren oder holpern wir noch ein Stück weiter. Bis Melo ist die Strasse top, doch dann ist es nur noch flop, und das für ca. 200 Kilometer bis nach Tacuarembo. Viel zu sehen gibt es nicht, ausser Rinder, Pferde, Schafe und ab und zu ein Gaucho. Auch die Stadt bietet nicht viel. Wir fahren weiter nach Salto. Da besuchen wir das grösste Wasserkraftwerk Uruguays. Mit viel Glück dürfen wir an einer Führung mit 2 Schulklassen teilnehmen. Die Kinder zeigen mehr Interesse an uns, als an dem Kraftwerk. Ist lustig, uns gefällts. Sonst bietet Salto auch nichts. Nicht weit von Salto, ca. 20 Km, besuchen wir die Termas San Nicador. Die ganze Anlage samt Camping ist Natur pur. Umgeben von Seen geniessen wir 2 Tage Baden und Nichtstun. Jeder Stellplatz verfügt über einen grossen Grill, inklusive Tisch und Bank. Holz suchen ist angesagt, denn wir wollen ja unser Riesenstück Rindfleisch grillieren. Zwei Stunden später geniessen wir das gute Fleisch mit einer Flasche uruguayschem Rotwein. Übrigens, ein herrlicher Tropfen.


Weiter geht es nach Paysandu. Wir erledigen den Lebensmitteleinkauf und fahren zur Termas de Almiron. Nach dem Abendessen geniessen wir noch das warme Wasser, bevor wir uns am nächsten Tag auf den Weg nach San Gregorio de Polanco, am Rio Negro machen.
Diese Fahrt vergessen wir nicht so schnell. Die halbe Strecke von den 220 km holpern wir im Schneckentempo durch Wasserlöcher und über Stock und Stein unserem Ziel entgegen.
Nach diesem anstrengenden Tag fragen wir mal unser Bischu was es dazu meint:

Schön darf ich auch mal etwas sagen. Also diese knapp 5 Wochen in diesem dunklen Loch, angekettet, hinter mir dicke Gitter, vor mir so ein grosser alter Rundschnauzer (Mercedes), umgebaut zum Wohnmobil, neben mir eine alte Karre und sonst alles eingepackte Neuwagen. Alles nichts für mich, schlimm. Doch immerhin besucht mich mein Team ab und zu. Und dann endlich werde ich von den Ketten befreit, darf wieder einmal das machen was ich kann, fahren. Zunächst einfach mal raus an die Sonne. Herrlich! Weit geht es allerdings nicht, nur ca. 80 km und schon stehe ich wieder rum. Aber wenigstens sind wir wieder alle zusammen. Ich werde jetzt reisefertig gemacht. Dann kann es ja nicht mehr allzu lange dauern, bis ich endlich zeigen kann, was ich drauf habe. Ich freue mich so darauf. Zuerst rollen wir auf guten Strassen der Küste entlang. Ist das alles denke ich? Doch nach 2 Tagen geht’s richtig ab. Stunden lang holpern und stolpern wir über Sandpisten, die Löcher sind zum Teil riesig. Zum Glück sind wir alleine unterwegs, so braucht mein Chauffeur die ganze Strasse, fährt Slalom. Ab und zu schaut er sich die Landschaft an und schon fliegen wir über die Löcher, mich haut es beinahe aus den Socken. Sie schaut ihn schief an, und denkt an ihre Eier im Kühlschrank. Vielleicht gibt es Rührei aus dem Karton. Also ich kann euch sagen, am Abend bin ich völlig erledigt, alles schmerzt. Und dann dieser Staub und Dreck, ich bin rot paniert, schrecklich und es wird jeden Tag schlimmer. Wenigstens bekomme ich genug zu Trinken und die Erholungphasen sind auch ziemlich lang. Doch eines weiss ich, dafür bin ich gemacht, und ich werde mich daran gewöhnen.
Mit Zwischenstopp in Durazno steuern wir, frisch erholt Montevideo an. Wir übernachten beim Yachthafen direkt am Meer. Leider ist es ziemlich kalt und regnerisch. Trotzdem fahren wir mit dem Bus in die Stadt, erkunden die Altstadt zu Fuss. Wie alle Touristen buchen auch wir eine Stadtrundfahrt. Nach zwei Tagen Montevideo geht es weiter nach Nueva Helvecia. Unterwegs gönnen wir unserem Bischu eine Wellnesskur. Von 4 Männern wird es umsorgt und gründlich gereinigt. In der Parkanlage vom Hotel Suizo finden wir einen schönen Übernachtungsplatz mit Swimmingpool. Hier werden, wir wahrscheinlich für lange Zeit, ein letztes Mal kulinarisch, schweizerisch verwöhnt.