07 Torres del Paine, El Calafate, El Chaltén, Gobernador Gregores, Bachjo Caracoles, Lago Posadas, Cochrane
6. - 20. Februar 2018, KM 1’308

Den letzten Abend im Park regnet es das erste mal so richtig, stundenlang. Dicke Regenwolken hüllen die imposante Bergwelt ein. Beim Frühstück fragen wir uns wo heute die vielen Touristenbusse bleiben? Wir stehen alleine auf dem sonst gut gefüllten Parkplatz. Die 15 Minuten Schotterpiste bis zum Parkausgang stellt kein Problem dar. Doch dann kurz vor dem Ziel sehen wir, dass es keine Strasse mehr gibt, alles unter Wasser. Auf der Eingangs- oder für uns Ausgangsseite stauen sich die Touri-Busse und die Rucksacktouristen zu Hunderten. Mit Zodiac-Booten und 4x4 Rangerfahrzeugen werden sie auf die andere Flussseite gebracht. Auch wir werden aufgehalten, der Parkranger inspiziert unser Fahrzeug und erklärt es für flusstauglich. Allerding müssen wir einem Rangerfahrzeug hinter her fahren damit wir auf der Strasse bleiben. Unser Bischu hat das bestens gemeistert. Wir sind stolz 😉!
Richtung El Calafate nehmen wir die Abkürzung, das heisst ca 70 Kilometer Rumpelstrasse, die durch den Regen ziemlich schlecht zu fahren ist. Angekommen gönnen wir unserem Bischu zuerst eine gründliche Reinigung. Es wird von x Kilo festgewordenem Dreck und Schlamm befreit. Danach fahren wir es zur Laguna Nimez, am Lago Argentino. In diesem tollen Naturschutzgebiet, umgeben von Vogelgezwitscher, darf es sich jetzt erst einmal erholen, während wir die Stadt zu Fuss erkunden.



Das Beste an El Calafate, dass doch auch sehr touristisch daher kommt, ist unser Ausflug in den Parque Nacional Los Glaciares. Mit 31 Kilometer Länge und 4 Kilometer Breite ist der Gletscher Perito Moreno beeindruckend. Ca. 60 Meter hoch ragt die Eiswand des Gletschers aus dem Lago Argentino, dem grössten See Argentiniens. Übrigens, der einzige Gletscher weltweit der noch wächst. Und wir werden Zeugen eines grandiosen Gletscherabbruchs. Welch ein Schauspiel. Es kracht, donnert und knallt, als hätte der Gletscher ein eigenes Orchester tief in sich begraben. Fantastisch.



In El Calafate besuche ich zum erstem Mal einen Coiffeur, nachdem wir uns die Haare bis jetzt gegenseitig kurzrasiert haben. Muss "frau" ja auch mal ausprobieren. Es ist, als hätte die junge Dame auf mich gewartet. Kaum sitze ich recht auf dem Stuhl bin ich schon wieder draussen. Die einzige Frage die sie mir stellt ist: welche Einstellung ich gerne hätte: 14, antworte ich. Ok, sie fräst einige Male von vorne nach hinten und umgekehrt über meinen Schädel, im Nacken und über den Ohren noch ein bisschen ausbessern. Mit dem Föhn die Häärchen wegblasen, fertig. Das Ganze kostet knapp 10.- Franken, dauert höchstens 10 Minuten und sieht gut aus. Jetzt bin ich also schön genug um zusammen mit unseren Ushuaia Bekannten, Nicole und Roli, ein feines Nachtessen und einen gemütlichen Abend zu geniessen.
El Chaltén begrüsst uns nicht so freundlich wie wir es uns gewünscht haben, das imposante Fitz Roy Massiv versteckt sich hinter Wolken. Dafür ist der nächste Morgen einfach genial. So schnell sind wir schon lange nicht mehr aus den Federn gejuckt. Die ersten, oder vielleicht schon die zweiten, Sonnenstrahlen begrüssen die ganze Bergkette. Wir beschliessen die grosse 8stündige Wanderung zur Laguna de los Tres unter die Füsse zu nehmen. Die ersten 3 Stunden führen uns dem Rio Blanco entlang durch alte Wälder und sumpfige Feuchtgebiete. Der letzte Teil führt eine Steigung hinauf, die immer steiler wird und auf dem letzten Kilometer 400 Meter ansteigt. Bei wolkenlosem Himmel und ziemlich atemlos erreichen wir um die Mittagszeit den Gletschersee am Fusse des Monte Fitz Roy. Einfach unbeschreiblich. Einziger Wermutstropfen: wir sind nicht alleine. Sogar auf dem Abstieg kommen uns noch Scharen von Leuten entgegen. Müde, aber glücklich fallen wir dann nicht zu spät ins Bett.



Schon bei unserer Ankungt in El Chaltén fällt uns das orange Büsli mit Luzerner Nummer auf. Zum vierten Mal treffen wir auf Corinne und Denis. Bei einer Flasche Wein verbringen wir einen gemütlichen Abend zusammen. Es wird relativ spät oder schon beinahe früh und so beschliessen wir den Tag gemütlich anzugehen. Wir machen eine Kurztour von ca. 2 Stunden zu den Aussichtspunkten las Aguilas und los Condores. Der patagonische Wind zeigt sich wieder einmal von seiner stärksten Seite, es bläst uns beinahe aus den Schuhen. Der nächste Tag ist wettermässig durchzogen und wir wandern zum Lago Capri. Die schönste Tour für uns ist dann die letzte, ca. 6 Stunden, 18 Kilometer, wieder wolkenlos, zur Laguna Torre. Der Weg folgt dem Tal des Rio Fitz Roy und steigt durch üppige Wälder hinauf zur Laguna Torre, einem smaragdgrünen Gletschersee. Hier ragen der Cerro Torre, Egger und Standhart wie Granitobelisken in den Himmel. Erinnert uns ein bisschen an die Dolomiten. Und im Gletschersee schwimmen riesige Eisbrocken. Beim Picknick geniessen wir einfach diese einmalige Bergwelt und hoffen wir können das in unseren Erinnerungen speichern.



Bei Nieselregen und Regenbogen verlassen wir El Chaltén. Keine Strasse ist so einsam und eintönig wie die Ruta 40 in diesem Teilabschnitt, zwischen El Calafate und Perito Moreno. Ohne jede Kurve und scheinbar ohne Ende schlängelt sie sich dahin, eingebettet in eine ziemlich eintönige Landschaft die aus nichts als Stoppelgras und weiten Horizonten besteht. Der einzige Begleiter ist der stets heulende Wind. Ab und zu grasen einige Guanakos, Nandus sprinten vor uns her, ein Hase hoppelt über die Strasse oder ein Gürteltier macht sich schnell davon. Trotzdem faszinierend. In Tres Lagos heisst es auftanken, denn man weiss nie wann die nächste Tankstelle kommt. Auch die 80 Kilometer Schotterpiste bis nach Gobernador Gregores schaffen wir noch. Wir finden einen schönen Schlafplatz direkt am Bach.
Die nächsten 200 Kilometer nach Baja Caracoles, einem 90 Seelendorf mit Tankstelle, bewältigen wir mit sehr starkem Gegenwind. Dadurch steigt der Dieselverbrauch um beinahe 40 Prozent, dafür ist die Strasse geteert und einigermassen gut zu fahren. Von hier aus holpern wir wieder einige Kilometer, auf schlechter Piste zu den Cuevas de las Manos, (Höhle der Hände), im Cañon des Rio Pinturas. Für die 45 Kilometer benötigen wir 1 ½ Stunden. Wir schaffen es gerade noch rechtzeitig zu einer Führung. Die Wandmalereien sind ca. 9500 Jahre alt. Rote, gelbe, ockerfarbene Abbilder von Menschen, Tieren, aber vor allem Händen, 829 an der Zahl, leuchten uns entgegen. Es gibt aber nur 36 rechte Hände, der Rest sind Linke. Warum? Die Wissenschaftler haben bis heute keine Antwort darauf
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Wieder in Baja Caracoles, wo wir eine ruhige Nacht verbringen, beschliessen wir unsere geplante Route zu ändern. Anderntags fahren wir zum Lago Posadas und übernachten am See. Von dort aus sind es ca. 140 Kilometer bis zum Paso Roballos, der Grenze zu Chile und weiter nach Cochrane, an der Carretera Austral. Die ersten zwei Stunden bis zum Grenzübergang treffen wir keine Menschenseele ausser zwei einsamen Velofahrern mit Vollgepäck. Der Grenzübertritt verläuft schnell und problemlos. Die Fahrt durch die vielfältige Landschaft mit überraschenden Bergpanoramen, Schluchten und glitzernden Seen ist einmalig.