09 Chaiten, Quellon, Castro, Ancun, Puerto Varas, Petrohué, Termas Puyehue
7. März - 24. März 2018, KM 1'182

Mit einiger Verspätung kommen wir im Morgengrauen auf der Insel an. Wir fahren noch ca. 10 Kilometer bis wir einen Schlafplatz finden, denn wir wollen nur noch eines: schlafen! Doch wie das so ist sind wir nach 3 Stunden schon am z’mörgele und das bei schönster Meersicht und neben einer Jesuitenkirche. Von denen gibt es hier unzählige und viele gehören zum UNESCO Weltkulturerbe. Chiloé ist die grösste Chilenische Insel und fällt durch die eigentümliche Holzarchitektur auf, besonders bei den Kirchen. Das Klima auf der Insel ist mild, aber ausserordentlich feucht, was natürlich der Vegetation zu Gute kommt, nicht aber uns. Wir würden es als typisches Aprilwetter bezeichnen. Immer mit Regenjacke ausgerüstet, spazieren wir durch Quellon, trinken Kaffee und suchen, wie so oft, gutes Internet. Hier befindet sich auch der Anfangspunkt der 22'000 Kilometer langen Panamericana, die in Anchorage, Alaska, endet, oder beginnt. Ob wir das bis dahin schaffen? Keine Ahnung.
Wir fahren an verschiedenen Fjorden entlang, übernachten an stillen, einsamen Buchten, beobachten Delfine, Seelöwen und verschiedene Vogelarten, die wir leider nicht beim Namen nennen können. Hier koche ich unsere erste Konfitüre, mit günstigen Heidelbeeren vom Markt. Auch besuchen wir Cucao auf der anderen Seite der Insel, am Pazifik gelegen. Doch hier herrscht ein rauher Wind und die Wellen schlagen hoch. Wir finden hinter den Dünen ein einigermassen windstilles Plätzchen. Und noch etwas anderes gibt es hier: einen Tante Emma Laden, so angeschrieben 😊.





Das beliebteste Postkartenmotiv von Castro, der Hauptstadt Chiloés sind die Palafitos. Die traditionellen Pfahlbauten stehen am Ufer des Fjordo Castro und leuchten in bunten Farben.
Es regnet, die Strassen sind vollgestopft mit Autos und wir finden keinen Parkplatz. Plötzlich entdecken wir in einer kleinen Nebenstrasse einen kleinen, eingezäunten Parkplatz mit Parkwächter. Ob unser Bischu wohl da rein passt? Zur Sicherheit fragen wir zuerst nach. Kurze Zeit später sind wir "platziert". Etwas scheu fragen wir den jungen Mann nach Übernachtungsmöglichkeiten. Sofort bietet er uns an, für 3000 Pesos, ca. 4.50 Fr., hier zu bleiben. Da der Platz aber um 21.00 Uhr schliesst und niemand mehr hier ist, drückt er uns einen Schlüssel für das Tor mit der grossen Sicherheitskette in die Hand. Wir staunen, wo gibt es denn so etwas. Gutgelaunt begeben wir uns in die Stadt, unser Bischu ist ja bestens aufgehoben. Gegen 22.00 Uhr kommen wir zurück, alles dunkel und unser Auto Mutterseelen alleine auf dem Platz. Wir verbringen also eine ziemlich ruhige, sichere Nacht in Castro.





Da wir zwei Tage später eine Verabredung in Castro haben, Sippie feiert Geburtstag, erkunden wir die Umgebung der Stadt. Leider ist das Wetter nicht so toll und ausser Kirchen gibt es nicht viel zu sehen. Überall sind die Leute am "härdöpfle", die reifen Äpfel leuchten in verschiedenen Farben und die Beeren sind reif. Ein sicheres Zeichen, es geht gegen den Herbst. Für uns ziemlich ungewöhlich.
Umso mehr freuen wir uns auf den gemeinsamen Abend mit Sippie und Klaas. Bei einem guten Stück Fleisch und einem edlen Tropfen Wein feiern wir Geburtstag.
Doch jetzt haben wir genug vom schlechten Wetter und auch von der Insel. Wir übernachten kurz nach Ancud um am nächsten Morgen nicht so spät auf die Fähre zu kommen. Denn, unser Bischu "motzt" seit einigen Tagen und lässt rote Lampen aufleuchten. Es verlangt nach einem kleinen Service. Ok, gönnen wir ihm ja. In der Nähe von Puerto Varas, in Llanquihue gibt es eine Mercedes-Nutzfahrzeuggarage. Es ist Samstag und wir wissen nicht ob, und wie lange da gearbeitet wird. Kurz vor Mittag stehen wir an der Schranke, Glück gehabt, bis 13.00 ist geöffnet. Wir kriegen für Montagmorgen (08.30 Uhr) einen Termin. Das heisst, wir müssen früh aus den Federn. Pünktlich übergeben wir unser Bischu. Den Tag verbringen wir in dem kleinen Städtchen Llanquihue. In einem Arbeiterrestaurant essen wir unser erstes chilenisches Mittagsmenue, 1. Gang: eine Bouillon mit viel Gemüse, Reis, eine ganze Kartoffel und ein "Vogelbein", 2. Gang: dasselbe Gemüse, Kartollestückchen und "Kuhfleisch" an einer dicken gelben Sauce. Nach anfänglicher Skepsis sind wir positiv überrascht, es schmeckt gut.
Um 16.00 Uhr holen wir Bischu wieder ab. Schön, frisch gewaschen, und fit für die nächsten 35'000 Kilometer steht es strahlend vor uns.



Auf der Fahrt nach Petrohué, am Lago Todos Los Santos, machen wir bei den Wasserfällen einen Zwischenstopp. Wo ein Lavafeld den Rio Petrohué teilt, bilden sich reissende Wildwasser, die als Wasserfall zu bestaunen sind. Auf Fusswegen gelangt man durch den umliegenden Wald zu kleinen jadegrünen Seen. Wir übernachten am Ufer des Sees, am Fusse des aktiven Vulkans Osorno, im schwarzen Sand.
Anderntags wollen wir wandern am Osorno, der übrigens 2652m Hoch ist. An seiner Flanke führt eine Strasse hinauf zur Talstation eines Ski-und Snowboardgebietes. Im Sommer kann man hier wandern und mountainbiken. Wir versuchen es mit wandern, doch der Wind bläst uns zu stark. Nach einer guten Stunde sind wir schon wieder zurück beim Auto. Wir sind beeindruckt von der Schönheit, der Kargheit und der Farbenvielfalt des Vulkans.
Gegen Abend beginnt es sehr stark zu regnen und die Wetteraussichten für die nächsten Tage sind auch schlecht, Dauerregen ist angesagt. Spontan beschliessen wir, die ganz in der Nähe liegenden Thermen de Puyehue zu besuchen. Wir geniessen die warmen Bäder und nutzen das gute Internet.

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