10 Termas Puyehue, Osorno, Bariloche, Chos Malal, Uspallata
25. März - 10. April 2018, KM 2'572

Im Reiseführer lesen wir, dass in Osorno jede Woche montags der grösste Viehmarkt Chiles stattfindet. Das wollen wir uns nicht entgehen lassen. Doch leider weiss, wieder einmal mehr, niemand wo das Spektakel stattfindet, wohl kaum mitten in der Stadt. Auch an der Reception vom Hotel schaut man uns nur gross an und schüttelt den Kopf. Beim Verlassen der Thermen frage ich noch einmal nach, natürlich eine andere Person. Und siehe da, keine 5 Minuten später haben wir die Adresse. Eine Stunde später parkieren wir vor dem Eingang, das Brüllen und Muhen der vielen Kühe ist unüberhörbar. Da werden über Stunden Kälber, Rinder, Kühe und Stiere ausgeladen, gekennzeichnet und in verschiedene Pferche getrieben. Zum Teil so viele, dass sie sich kaum mehr bewegen können. Viele hinken, können kaum gehen, fallen um, haben kaum mehr die Kraft sich zu erheben, werden mit einem Wasserstrahl gezwungen aufzustehen, andere sind brandmager oder haben blutende Verletzungen. Kein schöner Anblick. Natürlich gibt es auch viele schöne und gesunde Tiere. Alle werden vorgeführt und versteigert. Nach knapp 2 Stunden verziehen wir uns, wir haben genug gesehen, uns tun die Tiere leid.



Anschliessend verlassen wir über den Paso C. Samoré Chile. Der Grenzübertritt von Chile nach Argentinien verläuft problemlos, umgekehrt ist es schwieriger. Wir fahren nach Bariloche, die Region ist bekannt als die argentinische Schweiz. Da es bereits Abend ist suchen wir uns zuerst einen Schlafplatz, dafür bietet sich Bariloches Hausberg, der Cerro Otto, gerade an. Hoch über der Stadt legen wir uns zur Ruhe.
Die Ostervorbereitungen sind in vollem Gange, in der ganzen Fussgängerzone werden riesige, bunte Ostereier und Hasen aufgestellt. Es soll ein grosses Schoggifest werden. Vor jedem Schoggiladen, und davon gibt es sehr viele, wird Schokolade verteilt, die wir natürlich alle probieren und meistens das Gesicht verziehen. Diese Schoggi ist einfach nichts für uns. Als nächstes essen wir ein Fondue. Den Wein, den wir dazu trinken, ist das Beste an unserem Mittagessen 😉. Als letztes besuchen wir die Colonia Suiza, ca. 30 Kilometer ausserhalb von Bariloche. Doch auch hier ist die Enttäuschung gross, wir finden absolut nichts Schweizerisches, ausser einigen Kantonswappen. Unsere Hoffnung auf guten Schweizer Käse müssen wir wohl endgültig begraben. Doch wir wollen ja nicht alles in Verruf bringen, landschaftlich ist es der Schweiz wirklich sehr ähnlich. Mit den vielen Seen, den Wäldern und den Bergen im Hintergrund, dazu blauen Himmel mit viel Sonne, wunderschön.



Wir haben genug gesehen von der "Schweiz". Uns zieht es nordwärts. Überall liest und hört man vom erloschenen, 3776 m hohen Vulkan Lanin, also nichts wie hin. Anstatt auf der Ruta 40 fahren wir über Schotterpisten, über den Lago Meliquina, nach San Martin de los Andes. Dieses wunderschöne Tal mit seinen bizarren Felsformationen, Steppen- und Waldlandschaften, den vielen Pappeln die zu dieser Jahreszeit in verschiedenen Gelbtönen leuchten, ist die längere Fahrt alleweil wert. Wir bummeln im Stedtli, trinken Kaffee und essen Medialunas (süsse Gipfeli). Wenige Kilometer nach Junin biegen wir auf die RP 60 ab, die führt zum Grenzübergang, ist also geeignet für Autowanderer. Die zu Beginn eintönige Strecke wird immer interessanter je näher der Vulkan kommt. Beim Parkeingang posieren mächtige Araukarien im Bildvordergrund. Das heisst Fotostopp. Wir übernachten beim Info-Center des Parks, 3 Kilometer vor der Grenze. Und jetzt? Wohin? Wieder nach Chile oder bleiben wir in Argentinien? Unser voller Kühlschrank nimmt uns die Entscheidung ab, wir bleiben auf dieser Seite, denn mittlerweile wissen wir, die Chilenen suchen bis sie etwas finden. Und im Moment finden sie viel, denn alles können wir ja auch nicht verstecken.





Auf vielen Schotterpisten bewegen wir uns langsam Mendoza entgegen. Von Chos Malal aus besuchen wir den Bergweiler Andacollo und die benachbarte Hochoase Huinganco. Sie ist nicht arm, diese "steinreiche" Region, denn hier wird in grossen Stil Gold abgebaut, und im Sommer weiden hier um die 640’000 Ziegen. Nur, die meisten sind heute wahrscheinlich auf der Schulreise, denn wir sehen nur einige wenige, und die werden von Gauchos auf der Strasse vor uns hergetrieben, oder kommen uns entgegen.
Ab Chos Malal fahren wir auf der Ruta 40 durch eine von Vulkankegeln und Erosionsspalten zerrissene Hochebene. Ockerfarbener Sandstein, hellgrauer Kalksteintuff und violett schimmernde Felsen werden von der Sonne ausgeglüht. Diese, einer Mondlandschaft gleichende Region, stammt vom erloschenen Vulkan Payun. Es trennen uns immer noch 400 Kilometer von Mendoza, die wir in einem Tag abspulen, immer der Andenkette folgend. Zu sehen gibt es in dieser kargen Region nicht viel, bis kurz vor Mendoza dann die grossen Weingüter mit den dazugehörigen Reben auffallen. Doch die wollen wir zu einem späteren Zeitpunkt besuchen, hoffen wir wenigstens.






Von Mendoza aus folgen wir der Ruta 7 Richtung Chilenische Grenze. Unser Ziel ist die 8 Meter hohe Christusstatue. In Las Cuevas zweigen wir links ab. Die Schotterpiste, die zu dem Sattel führt auf dem die Statue steht, ist schwindelerregend und die Aussicht in das Tal des Rio Mendoza einzigartig. Nachdem im Jahre 1902 Argentinien und Chile ihre Grenzstreitigkeiten beigelegt haben, errichteten sie hier eine Christusstatue auf 3880 Meter über Meer.
Da wir noch in Argentinien bleiben besuchen wir auf dem Rückweg den Parque Aconcagua. Bei der 2-stündigen Rundwanderung auf 3000 Metern über Meer bestaunen wir bei schönstem Herbstwetter den Aconcagua aus der Ferne. Mit seinen knapp 7000 Metern ist er der höchste Berg der westlichen Hemisphäre. Noch ein letzter Zwischenstopp bei der Puente del Inca, dieser einzigartigen Naturbrücke über den Rio Mendoza. Der sachliche Darwin beschrieb das als "eine von den Ablagerungen heissen Quellwassers zementierte Kruste aus Kieselsteinschichten".