29 Guatapé, Tolú, Cartagena, Parque Tayrona, Cartagena
25. Mai - 12. Juni 2019, KM 1'352

In den 1970 Jahren wurde der Stausee del Peñol aufgefüllt um die Provinzhauptstadt Medellin mit Energie aus Wasserkraft zu versorgen. Der Stausee bedeckt die zerklüfteten Täler zwischen den Gemeinden el Peñol am Südwestufer und Guatapé am Ostufer und liess eine künstliche Landschaft entstehen mit vielen Inseln und Halbinseln. Die Hauptattraktion hier ist allerdings der 200 Meter hohe, graue Granitmonolith: Piedra del Peñón. In einer Falte des Felsen führen 770 Treppentritte auf die Bergspitze. Da es regnet fahren wir zuerst nach Guatapé und verschieben den Felsen auf morgen. Auch hier wieder alles kleine bunte Häuschen mit traditionell gestalteten Zementsockeln, einige rein ornamental, andere die Ortsgeschichte thematisierend und andere Familienzeichen wiedergebend. Wir finden ein gemütliches Kaffee, bestellen Kaffee und probieren das Hausdessert: Mousse au Café. Regenjacke und Kamera gut versteckt unter dem Tisch auf dem kleinen Hocker. Während wir Kaffee und Dessert geniessen, setzt sich ein älterer Mann an den Nebentisch, bestellt aber nichts, er ist intensiv mit dem Handy beschäftigt. Keine zehn Minuten später verlässt er telefonierend das Lokal und mit ihm unsere Kamera😯. Mist, aber ja so schnell geht es. Das wurde ein teures Dessert. Wenigstens haben wir noch eine kleine Hosensack-Kamera, die jetzt eben reichen muss.
​​​​​​​Am nächsten Morgen scheint die Sonne und wir fahren zum Piedra del Peñón. Wir bezahlen den Eintritt und steigen Stufe um Stufe dem Gipfel entgegen. Je höher, je mehr Pausen müssen wir, oder genauer ich, einlegen. Ziemlich ausser Atem und noch mehr verschwitzt erreichen wir das Ziel. Doch es hat sich gelohnt, die Aussicht ist fantastisch. Im kleinen Restaurant erfrischen wir uns mit frischen Ananasstücken bevor wir uns an den Abstieg machen. In der Zwischenzeit ist der Parkplatz ziemlich voll geworden, es ist eben Sonntag und es wimmelt nur so von Touristen. Zum Glück waren wir doch ziemlich früh da. Wir schlendern noch durch die Souvenirshops und essen, oder besser bestellen eine Gemüsesuppe, die sich dann als Kuttelsuppe entpuppt😝. Da war der Hunger blitzartig verschwunden. Im Auto wurde der Bauch dann mit Schoggi gefüllt, bevor es weitergeht.



Wir wollen noch einmal an die Pazifikküste, bevor Cartagena an der Reihe ist. Über eine kurvenreiche, aber gute Strasse schlängeln wir uns durch Täler, überwinden bei strömendem Regen Berge, stehen im Lastwagenstau, einfach weil die Strassen und Kurven zu eng sind zum kreuzen. Was wir hier aber, zu unserer Überraschung auch sehen, sind Schweizer Simmentalerkühe und nicht wenige. Überhaupt gibt es in dieser Gegend viel Milchwirtschaft.
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Das Gebiet wird flacher und auch die Kühe ändern plötzlich ihr Aussehen, jetzt sind es afrikanische Kühe, Zebus, nur halb so schön wie "unsere"🤣. Je näher wir der Küste kommen, je heisser wird es wieder, auch klar. Und…, wir sind im Mangoland. In jedem Dorf und auch ausserhalb stehen die Mangoverkäufer am Strassenrand. Es gibt hier eine kleine Schwester der uns bekannten Mango, schmeckt aber genau so gut. Einmal übernachten wir unter Mangobäumen, am Morgen brauchen wir die Mangos nur einsammeln und in unser Müesli rein schnipseln, mhhhh. Nach drei Tagen erreichen wir die Küste, in der Nähe von Tolú. Auf einem Platz mit Swimmingpool und einigen Leguanen richten wir uns gemütlich ein. Und wie überall, haben wir schnell einen guten Freund gefunden, er meckert nicht, nein, er sitzt still neben dem Tisch und schaut uns mit treuen Augen an. Er begleitet uns zum Pool und auf die Toilette und zum Dank bekommt er dann unsere Essensreste, die er gierig hinunterschlingt. In der Nacht bewacht er unser Auto, danke kleiner Hund, aber mitnehmen können wir dich trotzdem nicht.
Bis nach Turbaco, ca. 30 Kilometer vor Cartagena sind es gute 150 Kilometer die wir auf der Ruta 90 fahren, zwei bis drei Stunden, denken wir. Weit gefehlt! Die Strasse wird neu gemacht, das heisst Baustelle reiht sich an Baustelle, Stopp an Stopp, Schlaglöcher an Schlammlöcher, wir benötigen "nur" fünf Stunden. Auf der Finca el Manantial, unserem ausgesuchten Platz stehen schon Tom und Evelyne. Wir freuen uns sie noch einmal zu sehen, sie bereiten sich hier auf die Verschiffung nach Hause vor.
Am Sonntag wollen wir zusammen essen gehen, aber wohin und wie? Turbaco ist doch etwa sieben Kilometer entfernt und hier gibt es nichts ausser Schafen, Hühnern, Esel, Schwein und tausende von Mücken. Natürlich kennt der Platzchef ein gutes Lokal in ca. elf Kilometer Entfernung. Zuerst klettern wir über den Zaun, denn er ist abgeschlossen, dann geht’s mit einem öffentlichen Bus bis an den Stadtrand und jetzt? Taxis gibt es hier keine, dafür Mototaxi oder Tuk-Tuk. Doch leider sind die nur für drei Personen gedacht, wir aber sind vier. Hier aber ist das alles kein Problem, der Chauffeur meint: du, (also ich) setzt dich deinem Mann auf die Knie und ziehst den Kopf ein. Gesagt, getan. Wo bitte liegt das Problem?  Klar, beim Mototaxi, das hat nämlich keinen Pfupf mehr bergauf, dafür geht’s es ziemlich rasant bergab, auch klar bei dem Gewicht. Und das auf drei Rädern und mit einseitig verteiltem Gewicht! Wir nehmen es mit Humor. Im Buschrestaurant, mit Blick auf See, schlagen wir uns die Bäuche voll, war hervorragend😋. Das Dessert wollen wir im Nachbarrestaurant, das von einem Deutschen geführt wird, geniessen. Wir denken deutsch? Schwarzwäldertorte? Weit daneben. Ausser gewöhnlichem Vanilleeis mit exotischen Früchten aus der Büchse gibt es nicht wirklich etwas. Schade, wir sind enttäuscht. Umso mehr freuen wir uns auf die Heimfahrt mit dem Tuk-Tuk. Diesmal werden wir bis vor die Haustüre gefahren, wo wir ziemlich durchgeschüttelt dem lustigen Gefährt entsteigen. Hat sich auf alle Fälle gelohnt.

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Cartagena oder die Perle der Karibik, wie die Stadt auch genannt wird ist die fünftgrösste Metropole Kolumbiens. Und sie ist älter und schöner als alle ihre Schwestern. Hier finden internationale Gipfeltreffen statt, hier rauchen Staatspräsidenten ihre Zigarren und hier kauft jeder Millionär ein Appartement mit Meerblick. In den Altstadtgassen aber riecht es nach Fäulniss,  Abwasser, verdorbenen Abfällen, kurz gesagt: es stinkt zum Himmel. Trotzdem hat die Stadt, vor allem das Centro Historico seinen ganz speziellen Charm. Die Altstadt ist beinahe komplett von einer begehbaren Stadtmauer umgeben. Dahinter sieht man verschieden farbige Paläste mit Arkadengängen, Balkons, Kirchen und Klöster, Museen, Theater, Designerläden , Edelrestaurants, verrauchte Kneipen, bunt gekleidete, schwarze Damen mit gefüllten Körben voll exotischen Früchten auf dem Kopf, Kutschen mit zum Teil ausgemergelten Pferdchen, die man in den Abendstunden mieten kann. Auf der Plaza de los Coches, hinter dem historischen Hauptstadttor, wurden in der Kolonialzeit Tausende Sklaven versteigert und verkauft, es war der grösste Sklavenmarkt Südamerikas, denn Cartagena besass das Importmonopol für die menschliche Fracht.
Hier treffen wir auch noch einmal die Deutschen York und Rita, sie verschiffen von hier aus nach Panama. Mittlerweile sind auch die Berner Tom und Evelyne in Cartagena. Auch mit ihnen verbringen wir noch einen letzten gemütlichen Abend.

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Auf der Weiterfahrt Richtung Tayrona Park, legen wir beim Vulcano de Lodo el Totumo (Schlammvulkan) einen Zwischenstopp ein. Einmal im Schlamm baden, das ist doch etwas ganz Neues. Eine schmale Treppe führt zum 20 Meter hohen Kraterrand. Von hier überblickt man die weite Lagunenlandschaft mit ihren Mangroveninseln. Der Krater hat einen Durchmesser von ca. fünf Metern und ist gefüllt mit Schlamm aus feinsten Partikeln. Ab und zu durchbrechen kleine Erruptionen die geschmeidige Oberfläche. Der Vulkan soll Linderung bei Rheuma und Hautkrankheiten bringen. Schwimmen ist zwar nicht möglich und es gibt auch keinen Boden unter den Füssen. Das gibt uns schon ein wenig zu denken🤔. Wir bekommen einen Betreuer, der vor allem für die Fotos und unsere Flipflops zuständig ist. Zuerst steigen wir, schon im Badeanzug die Holztreppe hoch, dann müssen wir ca. eine halbe Stunde anstehen, bis wir an der Reihe sind. Auch gut, so können wir das Ganze schon einmal beobachten und so schlimm scheint es nicht zu sein. Also rein ins Vergnügen. Sofort wird man von einem Masseur in Empfang genommen und auf den Rücken gelegt, es folgt eine kurze Ganzkörpermasse. Sehr angenehm😊. Doch senkrecht im Schlamm zu stehen ist beinahe unmöglich. Wieder draussen, geht’s hinunter zum See, jetzt wird man gegen ein kleines Trinkgeld, von einheimischen Frauen gründlich durchgewaschen. Der Spass hat sich auf jeden Fall gelohnt. Ob die Badehosen aber auch wieder sauber werden weiss ich noch nicht. Ich hoffe es doch😏.
Bis zum Tayrona Park sind es noch einige Kilometer. Als wir endlich dort ankommen regnet es in Strömen und das bei 35 Grad. Wir haben in der Zwischenzeit gelesen, dass man selten Tiere zu Gesicht bekommt und der Park hauptsächlich wegen seinen weissen Karibikstränden bekannt ist. Und….., dass es tausende von verschieden Stechbiestern gibt. Für all das velangen sie auch noch Eintritt. Und nur als Futterquelle für die Mücken brauchen wir nicht in den Park zu gehen, denn die gibt es gratis, überall😜. Kurz nach dem Park finden wir einen idealen Platz, mit einem schönen Strand und vielen Palmen, dafür beinahe keine Mücken.
Da Kolumbien seit zwei Tagen die Grenzen für die Venezolaner wieder geöffnet hat, raten uns die Einheimischen ab, weiter nach Norden zu reisen. Also fahren wir zwei Tage später zurück nach Cartagena und ab hier geht es dann nur noch südwärts. Wir wollen wieder in die Berge, diese Hitze und die Mücken halten wir nicht länger aus. Wir haben zwar letzthin einen kleinen Ventilator gekauft, der dreht jetzt jede Nacht brav seine Runden, doch wir schlafen trotzdem nicht.

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