15 Salta, Cachi, Cafayate, Salta, Asuncion, Foz de Iguazu
18. Juni - 4. Juli 2018, KM 2'146

Das Airbnb-Haus das wir für fünf Tage mieten, hat für uns eine ideale Grösse. Wir haben wieder einmal so richtig Platz zum Kochen und auch die Dusche ist gross genug. Eigentlich wäre alles perfekt wenn da nicht verschiedene Mängel wären. Erstens ist es so richtig kalt draussen und die kombinierte Heizung-Klimaanlage ist nach einigen Stunden leicht überfordert und stellt immer wieder ab. Wir sitzen mit dicken Jacken, Schal und heissem Tee am PC. Auch die Waschmaschine hat ihre Macken, sie lässt das Wasser ab und zu in die Küche fliessen, so dass ich mich wenigstens immer wieder bewegen muss. Ja und durch das Herumkriechen bekomme ich wieder warm. Die Fenster sind nicht dicht und unter der Eingangstüre ist der Spalt sicher zwei Zentimeter gross, sodass wir mit verschiedenen Haustieren leben, alle mit vielen Beinen. Trotzdem feiern wir unseren 40. Hochzeitstag gebührend mit einem feinen Rindsfilet, einem edlen Tropfen Wein und einem selbstgebackenen Kuchen. Und zur Feier des Tages scheint zum erstem Mal die Sonne 😊, wir sind glücklich. Immerhin funktioniert der Fernseher problemlos und wir können den ersten WM-Fussballmatch der Schweizer anschauen und jubeln. Die Zeit reicht aus um das Meiste zu erledigen und so packen wir nach fünf Tagen zusammen und reisen weiter.




Auf dem Weg nach Cachi durchqueren wir den 64 Hektar grossen Parque Nacional Los Cardones. Er schützt vor allem die Cardon-Kakteen, die dieses staubige Tal beherrschen. Sie mussten geschützt werden, weil sie weithin als Feuer-und Möbelholz genutzt werden. Obwohl diese gigantischen Kakteen bis zu sieben Meter hoch werden, wachsen sie jedes Jahr nur wenige Millimeter. Das Dörfchen Cachi liegt am Fusse des 6380 Meter hohen, schneebedeckten Nevada de Cachi. Sehenswert ist die Kirche mit einem Altar aus Kaktusholz. Da der Campingplatz unter Wasser ist finden wir auf dem kleinen Hügel, oberhalb des Dorfes einen geeigneten Schlafplatz neben dem Friedhof.
Auf der Ruta 40 fahren wir weiter durch das Vallee Calchaquies, Richtung Cafayate. Die Niederschläge die hier fallen lassen die Maisterrassen, die Bohnen- und Peperoniplantagen und die vielen Weinberge prächtig gedeihen. Der Höhepunkt dieser Fahrt ist die enge Schlucht Quebrada de la Flecha. 



Eigentlich wollen wir in Cafayate einige Bodegas besuchen, doch irgendwie fehlt uns die Lust dazu. Stattdessen besuchen wir einige Kilometer südlich das Pachamama Museum, eines der grössten Museen für indianische Kultur in Argentinien. Und gleich nebenan liegt eine der bedeutensten Ausgrabungsstätte, die Ruinen von Quilmes. Hier wurden die letzten Überreste einer Stadt, die von präinkaischen Stamm gleichen Namens im 9. Jahrhundert gegründet wurde, gefunden.
Zurück nach Salta fahren wir durch die Quebrada del Rio de las Conchas, eine der formenreichsten Buntsandsteinschluchten des Landes. Wir bleiben noch einmal zwei Nächte in Salta, allein schon wegen der Fussball-WM. Wir essen in einem Restaurant und schauen nebenbei den Match Schweiz-Serbien. Da wir die einzigen Gäste sind, können wir uns auch lautstark freuen, wir stören ja niemanden😊.



Unsere Pläne ändern sich wieder einmal. Wir planen ca. Mitte August einen Heimaturlaub. In der Nähe von Asuncion gibt es einen Campingplatz unter Schweizer Führung wo wir unser Bischu sicher abstellen können, hoffen wir wenigstens. Doch bis dahin sind es 1200 Kilometer, die wir eben einfach abspulen müssen, denn unterwegs gibt es nichts zu sehen. Wir übernachten zwei Mal, das erste Mal an einer Tankstelle. Auf der Weiterfahrt entdecken wir plötzlich in einem kleinen Dorf viele Lastwagen die in der Wiese stehen. Alle mit Anhänger und gefüllt mit Schafwolle, denken wir. Wir stoppen am Strassenrand, ich steige aus und betrachte das alles aus der Nähe und staune. Das ist Baumwolle. Wir wussten nicht, dass hier im argentinischen Chaco Baumwolle wächst. Einige Kilometer weiter stehen links und rechts der Strasse grosse Bananenplantagen, auch davon hatten wir keine Ahnung. Bei einem Strassenhändler kaufen wir dann welche, die müssen wir ja testen und sie schmecken hervorragend.
An der Laguna Blanca übernachten wir noch einmal, auch das ist ein Nationalpark. Er bietet einen Lebensraum für 45 Fischarten, 32 Amphibienarten, ca. 320 Vogelarten und 85 Säugetieren. Leider nieselt es leicht und wir bekommen nichts zu sehen. Immerhin hören wir viel, vor allem Vogelgezwitscher oder -gekreische.
Jetzt ist es nicht mehr weit bis zur Grenze Paraguays. Die Landessprache ist Guarani doch die Merheit der Bevölkerung spricht auch Spanisch. Der Grenzübertritt verläuft schnell und problemlos. Nach ca. 60 Kilometer erreichen wir den Campingplatz Hasta la Pasta, von Rene und Marion. Er betreibt hier eine kleine Nudelfabrik, die weit herum bekannt ist. Wir bringen unser Anliegen vor und schon bald kriegen wir das OK. Unser Bischu darf also hier einige Wochen stehen und die schöne Gegend geniessen, während wir unsere Liebsten und Freunde zu Hause besuchen.



Eigentlich wollen wir nur zwei Nächte bleiben, es wird eine ganze Woche daraus. Wir treffen hier so nette Leute, dass wir einfach nicht mehr wegkommen. Jeden Abend brennt ein Lagerfeuer wo wir gemeinsam beisammen sitzen, grillieren, diskutieren und Reiseerfahrungen austauschen.
Am 29. Juni feiern die Einheimischen die Heiligen St. Peter und Paul und nutzen das um ein dreitägiges Dorffest zu veranstalten. Einige von uns besuchen dieses Guarani-Fest. Zu sehen gibt es eigentlich nicht viel, die Live Band spielt stundenlang die selben Lieder. Dazu zeigen die Gauchos auf ihren schön geschmückten Pferden ihre Reitkünste. Es gibt einige Souvenir- und Essensstände. Nachdem bei allen der Durst gestillt und der Magen gefüllt ist, begeben wir uns wieder auf den Heimweg.
Nach einer tollen Woche verabschieden wir uns definitiv, schliesslich wollen wir noch ins Pantanal, Brasilien, bevor wir nach Hause fliegen. Wir übernachten wenige Kilometer vor der Grenze zu Brasilien, im Naturpark Tati-Yupi. Während wir den Apéro geniessen, suchen die Affen nur wenige Meter von uns entfernt ihr Futter und turnen in den Bäumen herum.
Wenn wir schon hier sind besuchen wir noch das Wasserkraftwerk Itaipu. Nach achtjähriger Bauzeit ging das Kraftwerk im Jahre 1984 ans Netz und war jahrelang das Grösste. Seit 2014 jedoch produziert das chinesische Kraftwerk mehr Strom als Itaipu. Dennoch ist dieses Bauwerk ein imposantes Wunderwerk der Technik, das man in einer Einstündigen Bustour besuchen kann.