28 Ibarra, Las Lajas, Laguna de la Cocha, Popayan, Cali, Medellin​​​​​​​
9. - 24. Mai 2019, KM 1'115

​​​​​​​​​​​​​​An der Grenze zu Kolumbien werden wir zum ersten Mal mit dem Elend der Venezolanischen Flüchtlingen konfrontiert. In langen Schlangen, mit Sack und Pack, Kind und Kegel stehen sie an den Schaltern an, in der Hoffnung nach Ecuador einreisen zu können. Viele schlafen auch einfach vor dem Zollgebäude am Boden. Für uns ist das ganze Prozedere wie immer kein Problem, hier gibt es sogar extra Schalter für Pensionierte. Nach knapp zwei Stunden ist alles erledigt, inklusive Autoversicherung abschliessen und Geld wechseln. Jetzt sind wir wieder reich, für 100 ecuadorianische Dollars bekommen wir knapp 300'000 kolumbianische Pesos. Ist noch einfach zum umrechnen, drei Nullen weglassen, dann durch Drei teilen, so ungefähr🤔.
Nicht weit von der Grenze befindet sich die imposante Wallfahrtskirche, Santuario de Las Lajas. Hier soll vor knapp 300 Jahren eine wundersame Begegnung stattgefunden haben. Jedes Jahr im September pilgern Scharen von Menschen aus Kolumbien und Ecuador hierher, viele barfuss oder auf Knien um Heilung zu erbitten. Der grosse Parkplatz bei der Gondelbahn, mit der man hinunterfahren muss zur Kirchenbesichtigung, bietet sich gut als Übernachtungsplatz an. Als wir von der Besichtigung zurückkommen sind wir umzingelt von zwei weiteren Wohnmobilen. Zu unserer Überraschung beides Schweizer. Die sind aber auch überall🤣. Ihr seht, wir verlernen das "Schwizerdütsch" nicht so schnell.
Die Laguna de la Cocha liegt auf 2800 Meter ü. M. und ist 59 km² gross, an dessen Ufer befindet sich das kleine Dorf El Puerto. Entlang des Lagunenzuflusses reihen sich kleine Pfahlhäuser mit Blumen bepflanzten Balkonen, Blumengirlanden und bunt bemalten Schnitzereien. Beinahe jedes Haus besitzt eine eigene kleine, knarrende Holzbrücke. Der kleine Fischereihafen ist ein beliebtes Wochenendausflugsziel, gibt es hier doch frische Regenbogenforellen, die jedes Restaurant in vielen Variationen anbietet. Mit den motorisierten Langbooten kann man sich für wenig Geld auf die nahegelegene Insel fahren lassen, was uns aber nicht interessiert.

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Popayán gilt als eine der beeindruckendsten Kolonialstätte Kolumbiens, ist also sicher einen Besuch wert. Etwas ausserhalb finden wir einen schönen Campingplatz. Wieder einmal lassen wir uns per Taxi in die Stadt chauffieren. Wir schlendern durch die engen Gassen trinken Kaffee, besuchen den Markt und kommen am Platz vorbei, wo all die alten, bis uralten Lastwagen und Busse beladen werden. An einer Strassenecke treffen wir auf ein kurioses, altes, kleines Lastwägeli, beladen mit fünf Ziegen und viel Gras. Wir bleiben stehen und staunen: der Geissenhalter verkauft hier Ziegenmilch frisch ab Presse🤣, und die Leute stehen Schlange. Nichts für uns, wir suchen uns lieber ein Restaurant, denn mittlerweile plagt uns der Hunger. In der Innenstadt werden wir fündig, eigentlich ein italienisches Beizli, aber unter Schweizer Führung. Die Chefin stammt aus dem Unterwallis, da kann ja nichts schief gehen. Wir entscheiden uns gegen das Fondue und bestellen ein Stück Fleisch. Das wirklich hervorragend zubereitet ist und nur so auf der Zunge zergeht😋. Zufälligerweise ist die Schwester mit Ehemann aus der Schweiz zu Besuch und so verbringen wir einige gemeinsame Stunden miteinander. Ein richtig gemütlicher Schweizerabend mitten in Kolumbien.
Auf dem Weg nach Medellín besuchen wir noch das farbige Städtchen Filandia. Es dominieren weissgetünchte, flache sowie eingeschossige Häuser, mit bunt bemalten, getäfelten Türen, Fensterläden und Balustraden. Da wir hier in der Kaffeeregion sind, gibt es in Filandia viele, wirklich tolle Kaffees. Bei einem französischen Paar, früher selber Reisende, finden wir einen tollen Übernachtungsplatz. Sandrine und Vincent haben sich auf ihrer Reise in diese Region verliebt und kurzerhand eine Finca gekauft. Dazu gehört eine drei Hektar grosse Kaffeeplantage und einige Bananenbäume, vier Hunde, eine Katze und einige Hühner.
Seit einem Jahr sind sie hier und ihr Ziel ist es in etwa drei Jahren nur noch Biokaffee zu produzieren. Dank dem guten Klima erntet man hier das ganze Jahr Kaffee, doch die Arbeit ist enorm. Als kleinen Nebenverdienst bieten sie Plätze für Overlander an. Wir bleiben zwei Tage, einfach weil es so schön und gemütlich ist😊.

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Da unser Kühlschrank nichts mehr hergibt, müssen wir zuerst in die Grossstadt Medellín hineinfahren um den Einkauf zu tätigen. Hier gibt es wieder einmal einen grossen Jumbo, das heisst Lindorkugeln und Emmentalerkäse. Um zum Campingplatz zu gelangen, der doch ziemlich ausserhalb und beinahe 1000 Meter höher liegt, führt uns das Navi steil den Hügel hinauf, die Strasse wird zum immer enger werdenden Gässli und auch die Steilheit nimmt zu. In einer Haarnadelkurve bleiben wir dann stecken und rutschen rückwärts, Sch…..😨! Ich steige schon mal aus und laufe zu Fuss ein Stück hoch, in der Hoffnung es wird ein wenig flacher. Dem ist auch so. Peter startet durch, im flacheren Stück steige ich wieder ein und im 1. Gang, mit eingeschaltetem 4x4 und Untersetzungsgetriebe kriechen wir den Berg hoch, in der Hoffnung nicht mehr anhalten zu müssen. Wir lassen das Armenviertel hinter uns und schaffen es bis zur Hauptstrasse. Geschafft!! Jetzt erst einmal den Stress-Schweiss trocknen, tief durchatmen, und unserem Bischu auf die Schulter (Armaturenbrett) klopfen😁. Die restlichen Kilometer schaffen wir mit links. Auf dem Camping werden wir als erstes vom Berner Paar Tom und Evelyne begrüsst und gleich zum Apéro eingeladen.Vom Campingplatz aus wollen wir mit den ÖV in die Stadt, das heisst zuerst Taxi bis zur Gondelbahn (Metrocable). Umsteigen auf die nächste Gondelbahn, die uns über die Armenviertel von Medellín führt, dann mit der ultramodernen Metro, nicht wie gewohnt unterirdisch, sondern auf hohen Stelzen, ins Stadtzentrum. In einem Reisebüro buchen wir für den nächsten Tag eine "zu Fuss Stadtführung" von ca. fünf Stunden.
Zusammen mit den Bernern stehen wir pünktlich um 09.30 Uhr an der Metrostation, wo wir von Angela, unserer deutschsprachigen Führerin in Empfang genommen werden. Zuerst geht es in die berühmt, berüchtigte Comuna 13. Die Comuna 13 galt jahrelang als NO-GO Bereich für Touris, war das doch das gefährlichste Viertel ganz Kolumbiens. Noch bis vor wenigen Jahren flogen hier die Kugeln zwischen der Polizei und der Drogenbanden hin und her und es gab immer wieder Tote. Insbesondere das Medellín Kartell ist mitverantwortlich für viel Gewalt in diesem Stadtteil. Heute öffnet sich die Comuna 13 immer mehr für Touristen, die hautnah den rasanten Wandel miterleben. Alle Wände sind voll Graffiti Kunst, die sich der bewegenden Geschichte der Comuna 13 widmen. Vom friedlichen Protest der Bewohner gegen die dominierende Gewalt, bis hin zu Kunstwerken, die den zahlreichen minderjährigen Opfern gewidmet sind.  Alles ist hier auf den Wänden verewigt. Angela kennt hier sehr viel Leute und engagiert sich stark im Sozialbereich. Nichtsdestotrotz gibt es immer noch viel Kriminalität, Gewalt und wenig Teilhabe am Alltag. Das alles hat uns doch tief bewegt. Im Stadtzentrum besuchen wir den wohl bekanntesten Platz Medellíns, den Plaza Botero, dem Stadtsohn und bekannten Künstler Fernando Botero gewidmet. Er ist bekannt durch seine Monumentalskulpturen und Malereien, allesamt "üppig und sinnlich", sprich dick und rund. Auf diesem Platz stehen 23 seiner Bronze-Skulpturen zwischen grossen Palmen, Blumen, Springbrunnen und Parkbänken. Daneben hat es Schuhputzer, Imbissverkäufer, Bauchladenverkäufer, Musiker und mehr. Gemäss Angela bietet aber Medellín sonst nicht viel. Zusammen essen wir noch etwas Kleines und verabschieden uns voneinander. Für uns war das DIE Städtetour überhaupt! Zusammen mit Tom und Evelyne spazieren wir noch in der Fussgängerzone, doch da wir alle ziemlich geschafft sind, nehmen wir uns schon bald ein Taxi und lassen uns nach Hause chauffieren.

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